so ihr lieben, ich muss mal was loswerden
ich bitte um geneigte aufmerksamkeit für eine geschichte, heute zugetragen, ganz frisch also. eine geschichte, die zeigt, was man doch manchmal für ein dösbaddl sein kann und ich schreibe sie euch auch, weil ich ziemlich stolz auf mich bin.
epilog:
vor wochen beschloss die hausversammlung, man könne mal die fensterscheiben oberhalb der eingangstür reinigen. innen und außen. ein 86-jähriger mitbewohner, nennen wir ihn herrn b., erklärte, er habe alles, was man dazu brauche: leiter und teleskopwischer. die lage der fenster: etwa 4,20 u.d.M..
so wurde beschlossen, dass frau a. (das bin in dem fall ich) und herr b. sich der sache annehmen würden, irgendwann in einer nicht allzufernen zukunft...
heute:
das wetter war ideal: keine sonne, kein regen, kein wind, nicht zu kalt. nicht zu heiß.
herr b. hatte bereits am vortag alles bereitgestellt und frau a. ging daran, die leiter aufzustellen. herr b. aus dem fenster in ersten stock:
"sollisch ihne helfe, frau ah? waddese, isch komm runner." fenster zu.
frau a., also ich, balanciert vor dem haus im kleinen vorgarten – davor rauscht idyllisch die bundesstrasse – auf 3,50 höhe und widmet sich der reinigung von fenster, fensterscheiben und vordach. der assistent: der kugelbauchige herr b., dieser holt gelgentlich frisches wasser und erzählt vom leben. um das wasser aufzufrischen durchquert er das haus und nutzt den wasserhahn im gänzlich von mauern umschlossenen hinteren garten.
die fenster aussen glänzen alsbald und die arbeitskollonne zieht nach innen, denn die tür hat zwei seiten. wasserwechsel im duett, mit diskussion um den neuen hahn, der so viel besser ist als der alte. ein windzug, kaum wahrnehmbar.
rummms.
das war die hintertür. damit es diebe etwas schwerer haben, ist sie nur mit schlüssel zu öffnen. das ist gut. wenn nicht gerade der schlüssel innen, man selbst aber aussen ist.
das haus: leer. die nachbarschaft: woanders. keine seele weit und breit. mein freund über nach in der hauptstadt, herr b. seit kurzem alleinstehend. mein schlüssel und mein handy: vorne. meine geduld bei sowas: null.
herr b.: "des krije merr schonn. mir müsse nur ma nachdenke. awer e bissi schlescht is des jetzt schonn".
ich sondiere unsere möglichkeiten. klettere auf den balkon im erdgeschoss, überlege obs reicht bis zum nachbarhaus. nö. müsste ich springen und hätte keinen halt. aber in dem kellerabgang (tür verschlossen versteht sich, ist ja ein ordentliches haus) liegen meine winterreifen.
ich schleppe einen der reifen in den garten hoch und lehne ihn an die 2-meter-mauer zum nachbarhaus, ds daliegt wie ausgestorben. die mauer ist hübsch begrünt mit efeu. dahinter liegt der nachbargarten und der hat einen durchgang nach vorne, das tor ist eigentlich immer auf.
ich wuchte mich auf den reifen und grätsche mich auf den mauerrand. lasse mich auf der anderen seite ab. verletzungsfrei. supi. laufe ums haus nach vorne, greife den torgriff, drücke ihn erwartungsfroh nach unten. nichts rührt sich. abgeschlosssen. gut, so ein tor ist nicht unüberwindbar, braucht aber doch ein wenig klettern und ist vielleicht ein wenig auffällig. obwohl, ist ja keiner da, nirgends.
dann gibt es vorne noch die mauer zwischen unseren vorgärten. da will ich drüber. nur ohne reifen. die mauer ist ein wenig niedriger, so 1,80 schätze ich mal. ich springe hoch, stemme mich bis auf hüfthöhe und schwinge mein bein seitlich hoch, wuchte mich über die brüstung. jucheee, frei!
kinners, das ich das so hinbekommen habe in meinem biblischen alter, das fand ich jetzt mal ganz super von mir!!!
*mal die hand ans ohr hält, ob ein applaudiert
was ähnlich doofes ist mir mal beim renovieren einer anderen wohnung passiert: schauplatz: badezimmer. ich streiche die tür und habe dazu die klinken entfernt. die tür fällt ins schloss. mist. freund kommt erst stunden später. da habe ich dann aus dem fenster gerufen, ob mich jemand hört und mir mal helfen kann. hat dann auch einer. mit einer schnur, die er mir hochwarf, habe ich dann eine klinke, die er bei sich ausgebaut hatte hochgezogen und die türe wieder geöffnet. uff. und nett vom nachbarn. da dachte ich, das passiert mir aber nicht noch einmal. tja, so kann man sich irren