DeadLike
4032 Beiträge | 09 Dezember 2016 - 15:52
Dieser Beitrag wurde von DeadLike am 09 Dezember 2016 - 15:58 bearbeitet
also ich habe an dieser schule erlebt, dass schüler_innen sich bereits aussortiert fühlen in ganz jungen jahren. die kommen gewissermassen schon von der grundschule als "verlierer". die sehen sich auch so. und daran ist die familie höchstens indirekt daran schuld (bildungsfernheit spielt vielleicht dabei noch die größte solle) - es ist vielmehr die bereits früh einsetzende selektion, die von kaum effektiver förderung begleitet wird. dazu kommt dann noch eine "genealogie" des abrutschens: wenn der ältere bruder, die ältere schwester bereits in einer gang ist, ist die gefahr groß, dass auch die nachfolgenden geschwister da mit reingezogen werden.
ich habe da sehr viele junge menschen erlebt, die tief verunsichert sind, sich aussortiert fühlen und sich machtlos fühlen, dem etwas entgegenzusetzen. eigentlich habe ich es gemocht, mit diesen kindern und jugendlichen zu arbeiten, weil ich tatsächlich ein wenig erreichen konnte. aber es war unglaublich anstrengend und ist mir irgendwann über den kopf gewachsen. aber man merkt sehr schnell, dass das interesse "der gesellschaft/der politik" an diesen schicksalen nur das ist, sie möglichst einfach "unauffällig" zu halten.
in einer gemeinschaft kann man sich aufgehoben fühlen, keine frage. aber vieles wird auch unter den teppich gekehrt, weil es die kleine gemeinschaft überfordern könnte, oder eben "die allgemeine haltung" eine andere ist.
es tut mir leid, aber ich habe die enge viel stärker gespürt, als den schutz. ich finde kleine gemeinschaften, die sich nicht öfnnen und stets erneuern, beängstigend.
Kann ich nur zustimmen.
"in einer gemeinschaft kann man sich aufgehoben fühlen, keine frage. aber vieles wird auch unter den teppich gekehrt, weil es die kleine gemeinschaft überfordern könnte, oder eben "die allgemeine haltung" eine andere ist. "
Wir haben ja viele Parallelgemeinschaften. Es wird in kleinen wir auch großen (der landesweit größten: Bevölkerung/System Deutschland) vieles unter den Teppich gekehrt, und ja es ist maßlose Überforderung. Denke, die Natur hat auch nicht damit gerechnet, dass wir nach so vielen Jahrtausenden uns innerhalb eines Jahrhunderts so stark vermehren und verändern. Je mehr Menschen auf dieser Welt leben und je mehr die Vielfältigkeit damit zunimmt, desto mehr Probleme eröffnen sich und desto schwieriger kann man sie angehen
Da ist der Urinstinkt (Erhaltung der "eigenen" Art/Gruppierung/Gesellschaft) schnell wieder vorne bei, weil es eine "einfache Lösung" ist. Deswegen haben wir aktuell so viele super tolle AFD-Anhänger, Neonazis und Arschgeigen.
"es tut mir leid, aber ich habe die enge viel stärker gespürt, als den schutz. ich finde kleine gemeinschaften, die sich nicht öfnnen und stets erneuern, beängstigend. "
Es muss eben an allen Seiten gearbeitet werden. Gibt ja nicht nur A und B, jede Gemeinschaft prägt sich durch seine Individuen.
Verschlossenheit und Stillstand sind auch beängstigend! Deswegen ist der Schlüssel zur Offenheit die Vielfalt der Individuen in einer Gesellschaft.
Nehmen wir ein krasses Beispiel: Nazidorf XY. XY ist beängstigend, jemand, der sich mit den Individuen aus XY nicht identifiziert, wird sehr wahrscheinlich Abstand halten. Die Bewohner aus XY halten ebenso Abstand von "Andersartigen". Aber wie ändert man nur den Zustand, das Bewusstsein der Bewohner, wenn keine Veränderung stattfindet? Es braucht den Kontakt zur Vielfalt, welcher gefährlich ist, klar. Außenstehende Gesellschaften sind demnach genauso mitschuld an der Situation, weil sie den Kontakt aus Angst umgehen.
Wie man solche Gruppierungen nun optimal annähert ist sehr kompliziert, eine genaue Lösung hab ich da auch nicht, wäre die Lösung einfach, gäbe es dieses Problem nicht. Davor wegrennen ist aber auch keine Lösung. Und Ressourcen für Aufklärung und Veränderung haben wir leider auch nicht genug bzw. wird an anderen (unnötigen) Punkten angesetzt.
Alles nicht einfach
edit: Tippfehler gibts gratis