DeadLike
4032 Beiträge | 29 Juli 2017 - 05:02
hallo in die runde, wenn auch wahrscheinlich keine von euch mehr hier ist gerade.
so jetzt habe ich es geschafft, alles nachzulesen und am wochenende ists ja auch hier ruhiger.
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das sind nicht so gute zeiten für manche hier im thread und ich hoffe, dass sich das bald ändert.
manche passagen im leben lassen sich nur mit stoik ertragen, mit scheuklappen und der taktik, immer nur den nächsten schritt in angriff zu nehmen, weil man sich sonst überwältigt fühlt und ungenügend ausgestattet (seelisch und energiemäßig) für all die unbill.
ich selbst habe seit 6 jahren gegen den möglichen verlust unserer wohnung angekämpft und nach ein paar sturmschäden am dach und einer komplett abgestürzten decke alles wieder in ein zuhause verwandelt und ich kenne diese und andere szenarien von mir selbst.
mein vater hatte schon einige schlaganfälle, meine mutter ist dauerschmerzpatientin und den umbau der wohnung mit treppenlift und dusche für rollis musste ich auch wuppen. neben dem anderen leben. ich weiß also, wie es sich "on the edge" anfühlt. und kann verstehen, dass da die nerven blank liegen und man sich trost und unterstützung wünscht.
ich kann aber auch deadlikes überlegungen nachvollziehen. auch wenn ich finde, dass man den menschen in goslar beispielsweise nicht vorwerfen kann, sie seien sehenden auges in ein überschwemmungsgebiet gezogen...
es ist aber schon so, dass der mensch gerade in bezug auf hochwasser lange sehr blauäugig flächen zur besiedlung freigegeben hat, die dafür nur bedingt geeignet sind. ähnliches gilt für siedlungen in den alpen beispielsweise... bergrutsch irgendwann garantiert. ich habe auch die sendung neulich über die staudämme gesehen und die immense gefahr die eine störung für alle bedeutet, die unterhalb siedeln. und das schon lange vor dem bau der staumauer. hier kann man wohl den vorwurf der unvorsichtigkeit nicht an die bewohner richten sondern an die ingenieure, die politik, die stromkonzerne und unser aller stromhunger.
meine schwester hat ihr haus in einem überschwemmungsgefährdeten bereich (obwohl es flutfelder gibt, es ist also eher unwahrscheinlich) - das haus ist aber konstruktiv darauf eingerichtet - allerdings natürlich nicht, wenn der ganze grund wegbricht, wie es ja bei den oderhochwassern vorkam. da ist viel unglück bei den betroffenen, das ist mal sicher.
es ist aber auch sicher, dass es der natur egal ist, ob sie ein paar häuser niederreißt, verschlammt oder abkokelt. sie folgt ihren gesetzmäßigkeiten. in die abläufe hat der mensch als allgemeines stark eingegriffen - überall auf der welt und selten zum vorteil von allen (sondern nur für einige, aber die zeche zahlen wir alle) und schon mal garnicht zum vorteil der natur.
da wird ausgelaugt, ausgenutzt, ausgeboht, abgeholzt oder sinnlos in monokulturen angebaut... seit jahrhunderten (griechenland war einst bewaldet, auch spanien, alles wurde in schiffen verbaut oder verheizt), kanada baut gold ab mit gift, amerika saugt gas aus gesprengtem felsen bis die wasserleitung brennt, indien vergiftet seine "müllverwerter" usw, uwf.
für den einzelnen zählt das im moment der katastrophe wenig, aber ich finde auch, man kann schon mal drüber nachdenken, ob sich nicht manches anders regeln liesse. vielleicht nicht gerade zum selben zeitpunkt, aber es bietet sich halt irgendwie an.
was vielleicht an deadlikes beitrag nicht wirklich deutlich wurde, ist eine trennung zwischen betroffenheit und mitgefühl für die, die gerade unter der "natur" leiden und einer allgemeinen überlegung, wie übel die eingriffe des menschen sind.
im übrigen finde ich, dass man waldbrände und fluten nicht gegeneinander aufwiegen kann, was jeweils übler ist. beides ist furchtbar für den menschen. und beides wird die natur irgendwie überleben, sie wird nur evt. eine andere sein als zuvor. ob der mensch dann damit zurechtkommt, steht auf einem anderen blatt.
ich selbst finde all die eingriffe auch ganz furchtbar, weiß aber, dass ich selbst teil dieser mechanismen bin. und ja, es war zu trocken. (überall sieht man in europa vertrocknete baumriesen) und nein, es müsste nicht alles wasser auf einmal runterkommen. und mir tun die menschen, die durch waldbrände ihr zuhause und manche sogar ihr leben verlieren genauso leid wie die flutopfer.
zudem ist leid ist immer subjektiv, auch und gerade im maß, und unvergleichlich.
und wer leidet, verdient allemal empathie.
das lag alles nur zu nahe beisammen in deadlikes beitrag und ich glaube nicht, dass sie vor einem zerstörten haus stehen und "ätsch-bätsch" rufen würde, sondern sie würde mit anpacken und aufräumen und in den arm nehmen.
ich hoffe jedenfalls, dass alle hier, die gerade kämpfen, bald in ruhigeres fahrwasser kommen und sich bald wieder mehr freude und genuß einstellt.
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ich will so ein shirt! wieso verkauft das gerade niemand?
*winkt, ein paar absacker reinstellt und sich ins bett schleicht
*ganz zustimm* haddu gut ausgedrückt, weitaus besser als ich, danke
Ein Moin in die Runde *
hinstell*